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Der Raspberry Pi 5 mit 16 GB kostet 300 Euro — und damit ist er tot

Der Raspberry Pi 5 Model B mit 16 GB RAM steht bei 299,89 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie beim Start. Wer jetzt noch Pi-Hardware für Homelab-Zwecke kauft, zahlt für ein Gerät, das ein x86-NAS preislich schon lange überlebt hat.

Der Raspberry Pi 5 mit 16 GB kostet 300 Euro — und damit ist er tot (KI-generiertes Bild) AI Generated

Ich habe heute Morgen meine Geizhals-Preise durchgeschaut und bei einem Eintrag kurz gestockt: Raspberry Pi 5 Model B, 16 GB RAM, 299,89 Euro. Fast dreihundert Euro für einen Raspberry Pi. Für ein Gerät, dessen gesamtes Vermarktungsversprechen einst “der Computer für alle” war.

Das ist nicht die mäßigste Preiserhöhung der Liste. Das ist eine Preiskategorie, die es vorher nicht gab.

Der Preis, der mal eine Mission war

Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als der Raspberry Pi das Synonym für “günstiger Rechner” war. Ein Pi 3 Model B kostete um die 35 Euro, ein Pi Zero 5 Euro, und jeder, der mal in einem Elektronik-Forum postete “ich brauche nur was Kleines”, bekam sofort den Hinweis: “Nimm halt den Pi.”

Das Argument war nie nur der Preis, es war die Verfügbarkeit. Der Pi war überall. In Schaufenlagen, bei Media Markt, bei Amazon, in Schulkantinen, in(Server-)Schränken. Du warst zehn Minuten im Laden und hattest ein Gerät, das einen kleinen Server, eine Kamera-Anbindung, ein Media-Center oder einen Cluster-Knoten fahren konnte.

Und dann kommt diese Nummer: 299,89 Euro für die 16-GB-Variante.

Rechnen wir mal nach, was das in Relation setzt. Ein gebrauchter Dell OptiPlex Mini mit i5 der achten Generation, 16 GB RAM und 512 GB NVMe — also ungefähr dieselbe Leistungsklasse wie ein Pi 5 — liegt gebraucht zwischen 120 und 180 Euro. Neuwertige Mini-PCs mit Ryzen 3 oder i3 der 12. Generation liegen aktuell bei 220 bis 280 Euro. Der Pi 5 mit 16 GB ist damit teurer als ein echter x86-Mini-PC. Er konkurriert nicht mehr mit der Preisklasse “SBC”, er konkurriert mit der Preisklasse “kleiner Büro-PC” — und verliert dort gegen den Speicher und die Anschlussvielfalt.

Das ist der eigentliche Skandal. Nicht 300 Euro sind viel, sondern: Der Pi ist aus der Nische der preiswerten Bastelrechner in die Nische der “günstigen vollwertigen Rechner” gewandert — und ist dabei teurer als das Original.

Warum das passiert: Der RAM-Markt schlägt zurück

Man muss fair sein: Das ist nicht die Schuld der Raspberry Pi Foundation. Die Foundation baut keine Chips, sie kauft zu. Und die Preise für DDR5 und DDR4 sind in den letzten Monaten durch die Decke geschossen.

Mein eigener Blick in die Preistabelle zeigt das ganz deutlich. Ein 128-GB-DDR5-5600-Kit (2x64 GB) von Kingston FURY Beast liegt bei 2.363,49 Euro. Ein 64-GB-DDR4-3200-Kit liegt bei 688,29 Euro. Das sind keine Normalpreise — das ist ein Markt, in dem das Kilobyte teurer ist als vor drei Jahren das Megabyte.

Und jetzt die Pointe: Ein Raspberry Pi mit 16 GB RAM — der teuerste jemals gebaute — muss auf dem Board genau ein DDR5-SODIMM-Slot unterbringen. Auf einem Board, das ursprünglich einmal für 4 oder 8 GB ausgelegt war. Der Speicher-Controller, die Platine, die Stromversorgung — alles um den winzigen RAM herum dimensioniert.

Heißt: Der RAM-Preis drückt den Pi teurer, und zwar überproportional. Ein Board, das eigentlich 8 GB können sollte, wird von 100 auf 300 Euro geschoben, weil der Speicherbaustein das teuerste Einzelteil am Gerät ist. Die kostengünstigen Varianten mit 2 GB und 4 GB sind von der Preisschock kaum betroffen — aber 2 GB heißt in der Praxis, dass du Docker nur anlüften kannst.

Genau das trifft mich in meinem Homelab. Ich habe drei Raspberry Pi im Einsatz, alle mit 8 GB. Zwei davon laufen mit Docker-Stacken, und wenn ich heute Nachbauen müsste, würde die Rechnung mich nicht mehr freuen.

Der Vergleich, der weh tut: Was 300 Euro wirklich kaufen

Lassen wir uns nichts vormachen. Der Raspberry Pi 5 (16 GB) ist ein tolles Gerät. Die GPIO-Leiste, der PCIe-Slot, das kleine Format, der Verbrauch, die SD-Karte, die riesige Community, das Pine64-Zubehör. Für Projekte, die in eine Dose passen müssen, für Robotik, für Kameras, fürautonome Sachen im LAN — dafür ist das Gerät unschlagbar.

Aber die Frage ist nicht “Ist der Pi 5 gut?” Die Frage ist: “Lohnt es sich, ihn 2026 zu kaufen?”

Meine Antwort: Für einen Neukauf zum Normalpreis fast nie. Für die 16-GB-Variante bei 300 Euro: erst nach einem sehr langen Nachdenken.

Und es gibt eine Alternative, die im Moment fast zu gut aussieht: Gebrauchte Thin-Clients und Mini-PCs. Die stehen auf dem Kleinanzeigen-Markt praktisch zum Wegwerfen — Lenovo ThinkCentre Tiny, HP EliteDesk Mini, Dell OptiPlex Micro. Ein Tiny mit 16 GB RAM für 130 Euro, ein 250-GB-NVMe für 20 Euro dazu, fertig. Du bekommst:

  • echte x86-Architektur, also volle Docker-Images ohne ARM-Übersetzungs-Pain
  • schneller Storage (echte SATA/NVMe statt SD-Karte)
  • 3-5 USB-Ports
  • und ein Gehäuse, das in irgendeinem Regal neben dem Router nicht wie ein Spielzeug aussieht

Und ja — sie verbrauchen mehr Strom und haben Lüfter. Aber ein Pi mit 300 Euro plus SD-Karte plus Gehäuse plus Netzteil ist auch kein Stromwunder.

Fazit: Der Pi war nie ein Produkt, er war ein Argument

Ich sage das ohne Groll gegen die Foundation. Sie haben Fantastisches geschafft: sie haben einer Generation das Programmieren und Basteln nähergebracht, sie haben Linux auf dem Schreibtisch normalisiert, sie haben Bildung für 35 Euro ermöglicht. Das bleibt.

Aber der Pi war nie primär ein Produkt. Er war ein Argument. Das Argument: “Computer brauchen kein Budget.” Und dieses Argument wird gerade weggeschmolzen — nicht durch schlechte Produktentscheidungen, sondern durch einen Speichermarkt, der die Physik der Stückzahlen ignoriert und stattdessen durch schrumpfende Fertigungskapazitäten und KI-Rechenzentren getrieben wird.

Der Post zu den Halbleiter-Förderungen von heute (“Brüssel pumpt Geld in die europäische Halbleiterbranche”) passt da thematisch perfekt, ist aber das langfristige Thema. Das Kurzfristige ist: Wenn ich heute frage “Raspberry Pi 5 mit 16 GB”, bekomme ich 300 Euro, und meine Antwort ist: Ich nehme ein gebrauchtes ThinkCentre Tiny für ein Drittel des Geldes.

Die Lektion, die ich mitnehme: Hardware, die jahrelang als “billige Alternative” positioniert wurde, hört auf, günstig zu sein, sobald sie Mainstream wird. Der Pi ist Mainstream. Der RAM ist der Grund. Und die 300 Euro sind kein Fehler im System — sie sind das System, das funktioniert.

Kaufen werde ich trotzdem keinen neuen Pi. Aber ich werde meinen bestehenden Pi 5 mit 16 GB jetzt ehrlicher behandeln: mit Zollstock im Schrank, nicht als Wegwerf-Spielzeug.